Sicherheitsschuhe auswählen: Normen, Komfort und Einsatzbereiche
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Sicherheitsschuhe auswählen: Normen, Komfort und Einsatzbereiche

Tamara Santucci
Tamara SantucciInternational Product Director TMS

Sicherheitsschuhe auswählen: Normen, Komfort und Einsatzbereiche

Geeignete Sicherheitsschuhe sind nicht nur für die Sicherheit Ihrer Mitarbeitenden wichtig, sondern auch für Produktivität und Kostenkontrolle. Doch wie wählen Sie den passenden halbhohen Sicherheitsschuh aus, der Ihre Mitarbeitenden vor Risiken am Arbeitsplatz schützt und ihnen zugleich sicheres, komfortables und effizientes Arbeiten ermöglicht?

In diesem Artikel stellen wir die aktuellen Entwicklungen bei den Normen für Sicherheitsschuhe vor. Zudem erfahren Sie, wie sich Risiken am Arbeitsplatz beurteilen lassen und nach welchen Kriterien Sicherheitsschuhe für verschiedene Branchen und Nutzerprofile ausgewählt werden. Anhand konkreter Beispiele erläutern wir ausserdem, welche Faktoren für maximalen Komfort und Sicherheit zu berücksichtigen sind.

Normen für Sicherheitsschuhe

EN ISO 20345:2011

Damit Schuhe als Sicherheitsschuhe gelten, müssen sie der PSA-Norm EN ISO 20345 entsprechen. Diese Norm soll die Nutzenden – innerhalb bestimmter Grenzen – vor Stössen, Quetschungen, Ausrutschen, herabfallenden Gegenständen, Wasser, elektrischen Stössen, Explosionen, dem Auftreten auf spitze Gegenstände sowie extremen hohen oder niedrigen Temperaturen schützen.

EN ISO 20347:2012

Die Norm EN ISO 20347 definiert Anforderungen an Berufsschuhe für Bereiche mit geringem Risiko. Sie schreibt keine Schutzkappe vor, verlangt jedoch mindestens ein Schutzelement.

DIN EN ISO 20345:2012: Änderungen mit DIN EN ISO 20345:2022

Im Juni 2022 wurde die überarbeitete Fassung der ISO 20345 veröffentlicht. Nach einer Übergangszeit wird die bisherige Norm zurückgezogen. Bevor die neue Norm allgemein als Grundlage für Zertifizierungen im Rahmen der PSA-Verordnung verwendet werden kann, müssen Harmonisierung und Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union erfolgen.

  • Neue Schutzklassen S6 und S7 für die Wasserdichtigkeit von Sicherheitsschuhen (WR)

  • Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Schuhoberteils: WRU wird zu WPA

  • Rutschhemmung nach einem geänderten Prüfverfahren und mit einem neuen Klassifikationssystem (Standardreinigungsmittel auf Fliesen: keine Klassifikation; zusätzliche Prüfung mit Öl auf Fliesen: SR; keine Prüfung der Rutschhemmung: Ø)

  • Durchtrittsicherheit und neue Symbole

  • Der Wert für Öl- und Benzinbeständigkeit mit dem Symbol FO ist nicht mehr obligatorisch

  • Orthopädische Sicherheitsschuhe werden in drei Typen eingeteilt

  • Ein Überkappenschutz (Scuff Cap – SC) zum Schutz des vorderen Schuhbereichs wurde ergänzt

  • Leitergriff (LG)

EN ISO 20345:2022 tritt zum von der Europäischen Kommission festgelegten Harmonisierungstermin in Kraft. Ein Termin wurde noch nicht bekannt gegeben. Bereits in Verkehr gebrachte Sicherheitsschuhe müssen die neue Norm erst nach Ablauf der bestehenden Prüfbescheinigung erfüllen. Die EU-Baumusterprüfbescheinigung ist fünf Jahre gültig.

Klassifizierung von Sicherheitsschuhen

Auf Grundlage der Anforderungen und des Einsatzbereichs werden Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345:2021 in die folgenden Schutzklassen eingeteilt:

  • SB: Sicherheitsschuh mit einer Schutzkappe, die einer Stossenergie von 200 Joule standhält

  • S1: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff, ohne Schutz vor Feuchtigkeit

  • S1P: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff, ohne Schutz vor Feuchtigkeit sowie mit Durchtrittschutz gegen scharfe oder spitze Gegenstände

  • S1PL: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff, ohne Schutz vor Feuchtigkeit sowie mit nichtmetallischem Durchtrittschutz gegen scharfe oder spitze Gegenstände durch die Sohle, geprüft mit einem Nagel von 4,5 mm

  • S1PS: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff, ohne Schutz vor Feuchtigkeit sowie mit nichtmetallischem Durchtrittschutz gegen scharfe oder spitze Gegenstände durch die Sohle, geprüft mit einem Nagel von 3,0 mm

  • S2: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff sowie Schutz vor Feuchtigkeit (WPA)

  • S3: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff und Durchtrittschutz, mit Schutz vor Feuchtigkeit (WPA) sowie gegen das Eindringen scharfer oder spitzer Gegenstände durch die Sohle

  • S4: Sicherheitsschuh der Klasse 2 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff, wasserdicht und für Umgebungen mit hoher Belastung durch Flüssigkeiten, Feuchtigkeit und Verschmutzungen geeignet

  • S5: Sicherheitsschuh der Klasse 2 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff und Durchtrittschutz, wasserdicht und für Arbeitsplätze mit hoher Belastung durch Flüssigkeiten, Feuchtigkeit, Verschmutzungen sowie scharfe oder spitze Gegenstände geeignet

  • S6: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff und Durchtrittschutz, in einer wasserbeständigen Ausführung mit dauerhaftem Schutz vor Feuchtigkeit (WR)

  • S7: Sicherheitsschuh der Klasse 1 mit Schutzkappe aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff und Durchtrittschutz, in einer wasserbeständigen Ausführung mit dauerhaftem Schutz vor Feuchtigkeit (WR) sowie Schutz gegen das Eindringen scharfer oder spitzer Gegenstände durch die Sohle

  • Ø: Sicherheitsschuhe ohne Prüfung der Rutschhemmung

Welcher Sicherheitsschuh für welche Arbeit?

Die Auswahl des richtigen Sicherheitsschuhs hängt von den Risiken ab, denen Ihre Mitarbeitenden an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Deshalb ist eine Gefährdungsbeurteilung besonders für Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden in unterschiedlichen Arbeitsbereichen wichtig.

Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz

Bei einer Begehung vor Ort identifizieren Fachpersonen die potenziellen Risiken am Arbeitsplatz. Auf Grundlage der Ergebnisse wählen Sicherheitsexpertinnen und -experten für jede mitarbeitende Person den passenden Sicherheitsschuh aus.

Die PSA-Application Engineers von ERIKS ermitteln vor Ort gemeinsam mit den Sicherheitsverantwortlichen des jeweiligen Unternehmens die Gefahrenbereiche. Durch die Prüfung aller Arbeitsplätze können die Engineers von ERIKS das geeignete Sortiment an Sicherheitsschuhen für jede Arbeitsumgebung und jede mitarbeitende Person bestimmen. So lassen sich alle Risiken abdecken und Normen besser einhalten. Werden beispielsweise spitze Gegenstände erkannt, die den Schuh durchdringen können, bieten Sicherheitsschuhe der Klasse S1 keinen ausreichenden Schutz. Für diesen spezifischen Arbeitsplatz sind dann Sicherheitsschuhe mit einer durchtrittsicheren Zwischensohle erforderlich.

Beispiele für Risiken am Arbeitsplatz

  • Herabfallende Gegenstände

  • Aufbau statischer Elektrizität

  • Nasse und trockene Bedingungen

  • Temperatur in Innen- oder Aussenbereichen

  • Spritzer von Chemikalien oder Metall; Rutschgefahr

  • Schnitte, Verbrennungen und spitze Gegenstände wie Nägel

Nach einer Veränderung der Arbeitsumgebung muss der Arbeitsplatz erneut beurteilt werden, um potenzielle Risiken zu erkennen, die den erforderlichen Sicherheitsschuh beeinflussen können. Wird beispielsweise eine trockene Verkehrsfläche durch einen nassen Boden mit herabfallenden Metallgegenständen ersetzt, müssen die Sicherheitsschuhe über rutschhemmende Sohlen, Stahlkappen und Feuchtigkeitsschutz verfügen.

«Das grösste Risiko am Arbeitsplatz besteht darin, dass Personen wegen zu grosser Schuhe stolpern und stürzen. Das geschieht häufig, weil sie meinen, wegen der Schutzkappe eine grössere Schuhgrösse zu benötigen. Sie gehen davon aus, dass die Schutzkappe mehr Platz beansprucht.»

Optimiertes Ausrüstungsmanagement für Sicherheitsschuhe

Unternehmen mit mehreren Standorten stehen oft vor einem wenig effizienten Bestellprozess. Die Sicherheitsschuhexpertinnen und -experten von ERIKS können Sie dabei unterstützen, Ihr Sicherheitsprogramm zu vereinheitlichen, damit es den Industriestandards entspricht und gleichzeitig Kosten sowie Arbeitsaufwand reduziert.

Beispielsweise entwickelten die PSA-Fachpersonen von ERIKS für einen Kunden ein individuelles Onlineportal. Dieses ermöglicht einen einfachen Zugang zum ERIKS Onlineshop sowie eine Übersicht über Sortiment und Nutzende an jedem Standort. Mit dem Portal wurde der Bestellprozess hinsichtlich Kosteninformationen, Lieferung und Rechnungsprüfung vereinfacht.

Nach der Begehung vor Ort wurde der gesamte Schuhbestand deutlich reduziert: von 35 auf sechs Modelle. Dadurch verringerte sich der administrative Aufwand im Beschaffungsprozess.

Audit für Sicherheitsschuhe

  • Schritt 1: Kunden besuchen und ein internes Audit durchführen, um Gefährdungen und Risiken zu identifizieren

  • Schritt 2: prüfen, ob die Sicherheitsschuhe den geltenden Sicherheitsvorschriften entsprechen, also bestimmen, welcher Schuh für welchen Einsatz geeignet ist

  • Schritt 3: nach Freigabe durch den Kunden Schuhtrageversuche mit sechs bis zehn Mitarbeitenden beginnen

  • Schritt 4: nach sechs bis acht Wochen die Ergebnisse mit dem Kunden bewerten und bei Bedarf Anpassungen vornehmen

  • Schritt 5: der Application Engineer stellt sicher, dass alle Mitarbeitenden gut sitzende Sicherheitsschuhe tragen, und nimmt bei Bedarf Anpassungen vor

Sicherheitsschuhe für Reinräume

Reinräume müssen sehr strenge Anforderungen erfüllen. Sie erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen der Sicherheitsverantwortung, der Hygieneverantwortung und dem für persönliche Schutzausrüstung zuständigen Application Engineer.

Je nach den im Reinraum ausgeführten Tätigkeiten können spezifische, geeignete Sicherheitsschuhe gewählt werden. In Reinräumen werden häufig weisse Schuhe eingesetzt. Darüber hinaus sind spezielle Schuhe wichtig, um das Produkt oder die Umgebung vor Kontamination zu schützen.

Welche Sicherheitsschuhe eignen sich für Elektrikerinnen und Elektriker?

Die grösste Gefahr für Elektrikerinnen und Elektriker ist vermutlich das Risiko eines Lichtbogens. Hinsichtlich der elektrischen Eigenschaften werden zwei Arten von Sicherheitsschuhen unterschieden:

  • Teilweise leitfähige Schuhe mit einem Widerstand von bis zu 0,1 Megaohm

  • Antistatische Schuhe mit einem Widerstand zwischen 0,1 und 1000 Megaohm

Für maximale Sicherheit sollten Elektrikerinnen und Elektriker Sicherheitsschuhe tragen, die den ESD-Anforderungen (Electrical Static Discharge) entsprechen. Die Sohlenkonstruktion dieser Schuhe enthält bereits einen höheren Anteil leitfähiger Materialien. Dadurch lässt sich der niedrigere obere Grenzwert auch unter ungünstigen Bedingungen einhalten.

Sicherheitsschuhe der Klassen S1 bis S7 sind antistatisch. Der elektrische Widerstand wird jedoch stark durch Temperatur, Luftfeuchtigkeit und individuelle Tragebedingungen beeinflusst, etwa durch Schweiss, Feuchtigkeit, Druck, Biegung und Verschmutzung. Die Werte der ESD-Anforderungen werden nur unter normalen klimatischen Bedingungen eingehalten.

Welche Sicherheitsschuhe eignen sich für Lagerpersonal?

Für Mitarbeitende in der Logistik hängt die Wahl eines Sicherheitsschuhs von der ausgeführten Tätigkeit und den damit verbundenen Anforderungen ab. Eine Person im Wareneingang und bei der Palettierung hat daher andere Anforderungen als eine Person, die kleine Produkte in einem Kleinteilelager verpackt.

Für alle gilt jedoch: Eine auf das Gewicht abgestimmte Fersendämpfung kann die Belastung des Rückens verringern und eine geeignete ergonomische Unterstützung bieten. Dies verbessert die Ergonomie am Arbeitsplatz und trägt zu mehr Sicherheit und Effizienz bei.

Welche Sicherheitsschuhe sind komfortabel?

Komfort ist ein wichtiger Faktor bei der Auswahl von Sicherheitsschuhen für Ihre Mitarbeitenden. Nach langen Stunden körperlicher Arbeit kann es zu körperlicher Belastung kommen. Trotz gutem Schutz können Sicherheitsschuhe schlecht sitzen, da jede tragende Person eine andere Fussbreite und ein anderes Gewicht hat.

«Optionen für unterschiedliche Fussbreiten und Gewichte machen einen wesentlichen Unterschied, insbesondere in Unternehmen mit 1’000 Mitarbeitenden, die in drei verschiedenen Arbeitsbereichen tätig sind. Wenn eine mitarbeitende Person einen anderen Bereich betritt, kann sie einfach zum passenden Sicherheitsschuh wechseln. Dies kann auch die Kosten für zusätzliche Schuhpaare begrenzen.»

Schuhbreite

Mitarbeitende wählen wegen ihrer Fussbreite häufig eine oder zwei Schuhgrössen mehr. Das ist nicht nur unbequem, sondern auch unsicher. Jede Leistenform ist unterschiedlich. Sicherheitsschuhe müssen daher auf das Gewicht und die Fussbreite der nutzenden Person abgestimmt sein. Das verbessert nicht nur Komfort, sondern auch Sicherheit und Produktivität.

Wenn ein Sicherheitsschuh keinen guten Halt bietet, steigt das Risiko zu stolpern und zu stürzen. Zu enge Schuhe verursachen häufig Probleme im Vorfussbereich, was zu einer instabilen Haltung führt.

Mit gut sitzenden Sicherheitsschuhen können Mitarbeitende lange Zeit flexibel arbeiten, ohne die Einlegesohle wechseln zu müssen. Dies kann auch beim Schuhwechsel zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen Zeit sparen.

Gewicht

Chronische Schmerzen im unteren Rücken gehören zu den häufigsten arbeitsbedingten Beschwerden. Wenn das Gewicht nicht zum Schuh passt, kann dies die körperliche Belastung der nutzenden Person erhöhen und ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Sicherheitsschuhe mit Dämpfungsmodulen im Fersenbereich können Gelenke und Bewegungsapparat deutlich entlasten und schützen.

Gesundheitliche Vorteile

Sicherheitsschuhe mit zusätzlichen gesundheitlichen Vorteilen schützen den gesamten Bewegungsapparat der Mitarbeitenden, verringern Ermüdung und fördern die Erholung. Arbeitgeber können davon profitieren, da dies Vertrauen, Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeitenden stärkt.

«Der Preisunterschied spiegelt häufig den zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen wider, den Hersteller mit ihren Sicherheitsschuhen bieten.»

Sicherheitsschuhe für industrielle Anwendungen

Sicherheitsschuhe für die Lebensmittelindustrie

Sicherheitsschuhe für OEMs (Maschinenbau)

Sicherheitsschuhe für die chemische Industrie

Sicherheitsschuhe für die Pharmaindustrie

Fazit

Für die Auswahl des optimalen Sicherheitsschuhs sind das Schutzniveau, der Komfort und die gesundheitlichen Vorteile entscheidend. Ziehen Sie die Expertinnen und Experten von ERIKS bei, um zu prüfen, ob Ihr Sortiment an Sicherheitsschuhen auf die Risiken am Arbeitsplatz und die geltenden Vorschriften abgestimmt ist und ob Komfort, Sicherheit und Kosten ausgewogen sind.

Langfristig können Sie als Arbeitgeber Kosten reduzieren, die durch Sicherheitsrisiken, Unfälle und unerwartete Probleme aufgrund ungeeigneter Sicherheitsschuhe entstehen. Gleichzeitig profitieren Sie von zufriedeneren und produktiveren Mitarbeitenden.